Offshore-Powerboat in kabbeliger karibischer See bei der Great Race Trinidad und Tobago 2026

Great Race Trinidad & Tobago 2026: Raue See, Sieger & Scotland Bay

Die Great Race Trinidad & Tobago 2026 war einer dieser Tage, an denen die Karibik für ein paar Stunden aufhört, wie eine Postkarte auszusehen – und das Meer sehr deutlich daran erinnert, wer die Regeln macht. Am 15. August fuhren wir mit der Folie A2 hinaus Richtung Scotland Bay und sahen uns eine der bekanntesten Sporttraditionen von Trinidad und Tobago vom Wasser aus an. Erwartet hatten wir Geschwindigkeit, Lärm und spektakuläre Offshore-Powerboats. Bekommen haben wir zusätzlich eine anspruchsvolle See, zahlreiche Ausfälle, einen echten Logenplatz – und viele Stunden später immer noch die Musik der Afterparty in der Bucht.

Great Race 2026 auf einen Blick
Datum: 15. August 2026
Start: Chaguaramas, Trinidad
Ziel: Store Bay, Tobago
Fastest to Tobago: Track Heatwave
Siegerzeit: etwa 1 Stunde 36 Minuten
Unser Logenplatz: auf dem Wasser nahe Scotland Bay an Bord der Folie A2

Logenplatz vor Scotland Bay

Scotland Bay kennen wir normalerweise in einer vollkommen anderen Stimmung. An vielen Tagen ist das geschützte Wasser in diesem Teil Trinidads beinahe glatt. Die grünen Hänge fallen direkt zum Meer ab, Yachten liegen ruhig vor Anker, und die Bocas sind nur eine kurze Strecke entfernt. Am Morgen der Great Race sah das deutlich anders aus.

Schon in unserem vergleichsweise geschützten Bereich stand erheblich mehr Bewegung im Wasser als sonst. Offshore wurde es noch einmal eine andere Nummer. Der Trinidad and Tobago Meteorological Service meldete mäßige See und in offenen Gewässern der Windward-Seite etwa 2,0 bis 2,5 Meter Wellen, weiter leewärts sogar mehr. Für geschützte Bereiche wurden rund ein Meter und zeitweise kabbelige Bedingungen angegeben. Das passte ziemlich genau zu dem, was wir sahen: Schon die Zuschauerboote hatten in Küstennähe zu arbeiten, draußen steckte deutlich mehr Energie in der See.

Zwei Meter Welle sind für eine hochseetaugliche Segelyacht zunächst nichts Außergewöhnliches. Bei Segelgeschwindigkeit steigt und fällt das Schiff mit der Welle und arbeitet sich durch die Bewegung. Beobachtet man jedoch ein Offshore-Powerboat, das mit 80 oder 95 mph auf dasselbe Wasser trifft, verändert sich die Größenordnung komplett. Eine Welle, die bei sechs oder acht Knoten beherrschbar wirkt, sieht bei dieser Geschwindigkeit plötzlich tatsächlich wie eine Betonwand aus. In einigen unserer Filmszenen sieht man genau diesen Moment: Der Bug steigt hoch, die Gischt explodiert seitlich weg, und das Boot verschwindet für Sekundenbruchteile in der nächsten rauen Wasserfläche.

Warum die Great Race kein einfacher Sprint geradeaus ist

Die Great Race gehört seit Jahrzehnten zur Powerboat-Kultur von Trinidad und Tobago. Der Kurs beginnt im Golf von Paria, führt durch die Bocas und anschließend entlang der exponierten Nordküste Trinidads, bevor der offene Abschnitt Richtung Tobago und Store Bay beginnt. Die Trinidad & Tobago Powerboat Association beschreibt die Herausforderung selbst als Folge sehr unterschiedlicher Bedingungen: vergleichsweise ruhiges Wasser im Golf, Turbulenzen in den Bocas, schwererer Swell entlang der Nordküste und raueres flacheres Wasser in der Annäherung an Tobago.

Genau diese Wechsel machen das Rennen auch dann interessant, wenn man normalerweise nicht jedem Powerboat-Rennen folgt. Maximale Motorleistung ist nur ein Teil der Rechnung. Das Boot muss durchhalten. Die Crew muss die See lesen. Throttle und Steuerung müssen zusammenarbeiten. Alles, was im Werftgelände perfekt funktioniert hat, muss weiter funktionieren, während der Rumpf immer wieder entlastet, beschleunigt und mit enormer Kraft zurück ins Wasser gesetzt wird.

Seit 2018 gibt es bei der Great Race außerdem einen UIM-sanktionierten 80,5-Meilen-Weltrekordkurs. Motul Monster setzte damals mit 47 Minuten und 43 Sekunden die bis heute gültige Marke. Die Bedingungen 2026 waren für Rekorde denkbar ungeeignet. Diesmal war bereits das Ankommen eine Leistung.

Yellow Alert, raue See und neun Ausfälle

Zwischenzeitlich war nicht einmal sicher, ob das Rennen stattfinden würde. Ein Yellow Level Weather Alert und eine Tropical Wave sorgten dafür, dass die Veranstalter nur wenige Stunden vor dem Start noch über eine Verschiebung nachdachten. Laut TTPBA-Präsident kam gegen fünf Uhr morgens nach Rücksprache mit Meteorologen das grüne Licht, weil sich das schlechteste Wetter weiter ostwärts Richtung Barbados verlagert hatte. Gegen sieben Uhr verließen rund 30 Boote Chaguaramas.

Die Freigabe bedeutete jedoch nicht, dass die See plötzlich einfach war. Morgan Honnock, Throttleman von Track Heatwave, bezeichnete die Great Race 2026 später als die härteste Great Race der letzten 14 Jahre. Neun Boote erreichten das Ziel nicht.

Besonders bitter erwischte es den Publikumsliebling Mr Solo Too. Das Boot aus der 130-mph-Klasse kam bis auf ungefähr zwei Meilen an Tobago heran, bevor ein elektrisches Problem das Rennen beendete. Nach den Berichten war Wasser in einen Bereich des Bootes eingedrungen und hatte elektrische Kurzschlüsse verursacht. Die Crew berichtete außerdem von Momenten, in denen das Boot mehrere Sekunden vollständig in der Luft war. Was das bedeutet, versteht man erst richtig, wenn man so ein Offshore-Rennboot vor sich aus dem Wasser steigen sieht: für einen Augenblick Geschwindigkeit und beinahe Stille – und anschließend der Einschlag.

Ein anderer Zwischenfall zeigte die zweite Seite des Offshore-Rennsports. Big Yellow unterbrach das eigene Rennen, um Outlaw nach dessen Ausfall zu helfen und das Boot Richtung Tobago zu schleppen. Wettbewerb ist wichtig, aber eine Crew mit Problemen ist wichtiger. Das ist eine Reihenfolge, die Segler sofort verstehen.

Track Heatwave: First und Fastest to Tobago

Der große Erfolg des Tages gehörte Track Heatwave. Mit John-Michael Sabga als Driver, Morgan Honnock am Throttle sowie Shane und Christian Telfer in der Crew erreichte Heatwave Tobago nach ungefähr 1 Stunde und 36 Minuten. Damit holte das Team gleich drei Auszeichnungen: First to Tobago, Fastest to Tobago und den Sieg in der 80-mph-Klasse.

Der Zieleinlauf hatte zusätzlich eine interessante Wendung. Justified aus der 50-mph-Klasse tauchte zunächst als erstes Boot in den Gewässern vor Tobago auf. Gegen das schnellere Heatwave reichte der Vorsprung am Ende jedoch nicht. Justified wurde Zweiter im Gesamtzieleinlauf und gewann trotzdem souverän die eigene Klasse.

Great Race 2026 – bestätigte Klassensieger

95 mph – Mobil Tyrant
80 mph – Track Heatwave
70 mph – Ratchet
60 mph – Timeless
50 mph – Justified
SPEC – Ballistic

In den Klassen 130 mph und 120 mph gab es nach den Ausfällen von Mr Solo Too und Iron Man keinen Finisher.

Gerade bei solchen Bedingungen zeigt die Ergebnisliste, warum eine Great Race nicht einfach eine Rangfolge nach Motorleistung ist. Vorbereitung, Material, Abstimmung der Crew und Entscheidungen auf dem Wasser werden Teil des Ergebnisses. Das theoretisch schnellste Boot nützt wenig, wenn es Store Bay nicht erreicht.

Store Bay: In Tobago wird aus dem Rennen ein Fest

In Tobago endet die Great Race traditionell nicht einfach mit der Stoppuhr. Hunderte Zuschauer versammelten sich rund um Store Bay, um die ankommenden Boote zu sehen. Das Rennwochenende verbindet Sport, Strand, Boote, Musik und den gesellschaftlichen Teil der Veranstaltung.

Genau das gehört zur Tradition. Im Ziel treffen Crews, Familien, Unterstützer und Besucher aufeinander, anschließend kippt die Stimmung langsam vom Rennen in die Feier. Store Bay ist dafür einer der zentralen Plätze – Zuschauer stehen am Strand oder verfolgen die Ankunft von Booten auf dem Wasser. Für Tobago ist die Great Race damit Sportereignis und Inselkultur zugleich.

Auch ganz praktisch ist das Wochenende spürbar. Unterkünfte, Transport und Dienstleistungen sind rund um das Event stark gefragt. Die Great Race findet eben nicht abgeschottet hinter Tribünen statt. Sie zieht sich durch Strände, Buchten, Straßen, Restaurants und den normalen Rhythmus der Insel.

Und bei uns in Scotland Bay? Das inoffizielle zweite Ziel

Unsere Great Race war nicht vorbei, als die Rennboote Richtung Tobago verschwunden waren. Im Laufe des Nachmittags und Abends kam die Zuschauerflotte zurück. Einige fuhren Richtung Marina oder nach Hause. Erstaunlich viele machten etwas anderes: Sie bogen nach Scotland Bay ab.

Die Veränderung kam schrittweise. Erst die zurückkehrenden Boote. Dann Musik. Dann noch mehr Boote. Die Motoren wurden leiser und die Soundsysteme lauter. Aus unserem Logenplatz für das Rennen am Morgen wurde langsam der Logenplatz für die Afterparty.

Aktueller Bordbericht von Folie A2: Während wir diesen Beitrag fertigstellen, ist es bereits nach Mitternacht. Die Great Race ist seit vielen Stunden vorbei. Die Musik in Scotland Bay hat diese Information offensichtlich noch nicht bekommen.

Das ist wahrscheinlich ein ziemlich typisches Trinidad-Ende für diesen Tag. Ein ernstes Offshore-Rennen, schwierige Bedingungen, technische Ausfälle und Crews, die mehr als eine Stunde hart arbeiten mussten – und wenn alle wieder sicher zurück sind, geht der Tag eben mit Booten, Freunden und Musik in der Bucht weiter.

Unser Film zur Great Race 2026

Aus dem Tag haben wir rund sechs Minuten Film geschnitten: Rennboote in voller Fahrt, Gischt, die anspruchsvollere See, Zuschauerboote und zum Schluss die deutlich gemütlichere Rückfahrt Richtung Scotland Bay. Den Originalton der Motoren haben wir bewusst immer wieder stehen lassen. Ein Film über die Great Race ohne Motorengeräusch würde einen erheblichen Teil der Atmosphäre verlieren.

Video: Great Race Trinidad & Tobago 2026 | Powerboats, Rough Seas & Scotland Bay

Vor dem Rennen: Wir hatten die Menschen dahinter schon kennengelernt

Einige Tage vor der Great Race hatten wir bereits hinter die Kulissen geschaut und mit einem jungen Rennfahrer gesprochen, während die Teams ihre Boote in Trinidad vorbereiteten. Dieser ältere Beitrag ergänzt den aktuellen Rennbericht ziemlich gut: Dort sieht man die andere Seite der Great Race – Boote auf Spezialtrailern, Motoren, Vorbereitung, Familientradition und die Menschen, die das Spektakel möglich machen, lange bevor vor Store Bay die erste Gischt zu sehen ist.

Unseren ersten Great-Race-Beitrag lesen: 525 PS, Geschichte und Inselparty →

Gedanken der Skipperin

Geschwindigkeit verändert den Blick auf das Meer.


Von einer Segelyacht aus betrachten wir zwei Meter Welle nach Richtung, Periode, Wind und Komfort. Wenn ein Rennboot mit hoher Geschwindigkeit auf dieselbe See trifft, wird die physikalische Kraft plötzlich auf eine ganz andere Art sichtbar. Beeindruckend ist nicht nur, wie schnell diese Boote fahren. Beeindruckend ist, wie viel Vorbereitung und Kontrolle nötig sind, damit sie weiterfahren können, wenn das Meer nicht mitspielt.

Und genau deshalb passt die Great Race eigentlich erstaunlich gut in ein Segellogbuch. Die Boote könnten kaum unterschiedlicher zur Folie A2 sein, aber die Grundregel ist dieselbe: Vorbereitung zählt, die Crew zählt – und das Meer hat am Ende immer das letzte Wort.

Aurelia Blue jenseits der Postkarte

Genau solche Tage sind für uns ein Teil davon, warum längeres Leben und Segeln in der Karibik so spannend ist. Aurelia Blue besteht nicht nur aus einer Reihe berühmter Ankerbuchten. Wer lange genug an einem Ort bleibt, erlebt Rennwochenenden, Fischerboote, Werften, lokale Feste, Wettertage und spontane Partys, die zwischen den klassischen Reisehighlights stattfinden.

Von unserem Platz auf der Folie A2 war die Great Race 2026 ein besonders lautes Beispiel dafür: morgens ernsthafter Offshore-Rennsport, nachmittags zurückkehrende Zuschauerboote – und abends eine Party, die kurz nach Mitternacht offensichtlich noch lange nicht fertig war.

Die Karibik vom Wasser aus erleben

Unser Captain’s Log zeigt die Inseln jenseits der Postkarte – echte Passagen, lokale Traditionen, Bordleben, Essen, Menschen und genau die unerwarteten Tage, die entstehen, wenn eine Yacht lange genug bleibt, um nicht nur Besucher zu sein.

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Mit Aurelia Blue segeln

Renninformationen und Streckenhintergrund: Trinidad & Tobago Powerboat Association. Wetterdaten: Trinidad and Tobago Meteorological Service. Ergebnisse und Zwischenfälle der Great Race 2026: CNC3 / Guardian Media.

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