Segeln von Grenada nach Trinidad – Barrakudas, Mondlicht und eine Nachtpassage durch die Karibik
Die Passage von Grenada nach Trinidad gehört zu den Strecken in der Karibik, die Respekt verdienen. Auf dem Papier sah die Vorhersage freundlich aus: mäßiger Passatwind, kein Regen und eine gut zu bewältigende Nachtfahrt. In der Realität fügte die Karibik ihre eigenen Zutaten hinzu – wechselnde Winde, eine lebhafte See, vom Mond beleuchtete Wolken, zwei Barrakudas und einen langsamen Kampf gegen die Strömung in den Dragon’s Mouths.
Logbucheintrag 25. Juni 2026 · Outseason-Passage
Route: Prickly Bay, Grenada → Chaguaramas, Trinidad
Distanz: 85 Seemeilen
Zeit unter Segeln und Motor: 18 Stunden
Wetter: 15–25 Knoten · Wellen bis 2,5 Meter
Fang des Tages: zwei Barrakudas

Table of Contents
Abfahrt von Grenada

Unser Tag begann in Prickly Bay mit der vertrauten Routine vor einer internationalen Passage: zuerst zum Ausklarieren, dann noch einmal in die Stadt, um ein paar frische Vorräte einzukaufen, und anschließend zurück zur Aurelia Blue, um die Yacht für die Nachtfahrt nach Süden vorzubereiten.
Das ist immer die ruhige Phase vor dem Ablegen. Alles wird noch einmal kontrolliert. Lose Gegenstände verschwinden unter Deck, die Angelausrüstung wird vorbereitet, und aus dem gemütlichen Cockpit wird für einige Stunden ein Arbeitsplatz für die Wache. Zwischen Papierkram, Einkaufstaschen und Routenplanung blieb sogar noch Zeit für ein kurzes Nickerchen.
Um 18 Uhr lösten wir die Leinen, setzten die Segel und nahmen Kurs auf Trinidad.
Ein anderer Start als erwartet
Die Wettervorhersage sah beinahe ideal aus: etwa 15 Knoten Wind, kein Regen und lediglich ein kurzer Anstieg auf rund 20 Knoten.
Die Realität hatte andere Pläne.
Noch bevor wir den Schutz Grenadas richtig verlassen hatten, stieg der Wind rasch auf etwa 25 Knoten. Gleichzeitig baute sich eine kurze, steile See mit Wellen bis knapp 2,5 Meter auf. Dramatisch war das nicht, aber lebhaft genug, um uns daran zu erinnern, dass eine Hochseepassage nie nur eine Linie auf der Seekarte ist.
Zum Glück hielt der stärkere Wind nicht lange an. Nach einiger Zeit beruhigte sich die See, der Wind ließ nach und die Nacht fand ihren Rhythmus. Beständig blieb sie trotzdem nicht. Stärke und Richtung des Windes änderten sich immer wieder, sodass wir Segeltrimm und Kurs laufend leicht anpassen mussten.
Nichts Stressiges. Einfach echtes Segeln.
Leben während einer Nachtpassage
Nachtfahrten haben ihre ganz eigene Atmosphäre. Einer hält Wache, während der andere versucht, dreißig Minuten oder vielleicht eine Stunde zu schlafen. Kaffee taucht zu ungewöhnlichen Zeiten auf. Ein kleiner Snack fühlt sich plötzlich wie eine richtige Mahlzeit an, und Gespräche werden tiefer, als sie es am helllichten Tag oft würden.
Nachts gibt es weniger Ablenkung: kein Blick aufs Handy, kein Lärm vom Land, kein beiläufiges Herumlaufen an Bord. Nur Wind, Segel, Instrumente, Mondlicht und das Wasser, das am Rumpf vorbeizieht.
Die Aurelia Blue bewältigte die Bedingungen souverän. Es waren keine großen Segelwechsel und keine hektischen Manöver nötig. Meist ging es um kleine Korrekturen: hier etwas trimmen, dort den Kurs leicht anpassen und dabei Wind und Strömung im Auge behalten.
Unsere Geschwindigkeit spiegelte die wechselnden Bedingungen wider. Zeitweise liefen wir fast acht Knoten, wenig später kaum noch drei. Kräftige Strömungen versetzten uns seitlich und zwangen uns, während der ganzen Nacht gegenzuhalten.
Am Ende lagen wir bei durchschnittlich rund fünf Knoten über Grund. Schnell genug, um stetig voranzukommen – langsam genug, damit sich die Nacht lang anfühlte.
Barrakuda zum Abendessen
Der Abend belohnte uns auf sehr karibische Weise.
Mit der Dunkelheit wurden die größeren Raubfische aktiv. Unsere Schleppleinen waren noch nicht lange draußen, als die erste Rolle losschrie. Kurz darauf folgte die zweite.
Innerhalb kurzer Zeit lagen zwei Barrakudas an Bord – ein schöner Fang und mehr als genug frischer Fisch für mehrere Mahlzeiten. Es hat etwas zutiefst Befriedigendes, das Abendessen während einer Passage selbst zu fangen. Der Rhythmus des Segelns verbindet sich dabei mit dem Leben an Bord auf eine Weise, die kein Restaurant nachbilden kann.


Natürlich sorgt Barrakuda immer auch für Diskussionen: Wie groß ist zu groß? Wo wurde er gefangen? Ist er unbedenklich? In der Karibik sprechen Segler über Fisch mit derselben Ernsthaftigkeit, die andere für Wetterberichte reservieren. Diesmal passte alles, und der Fang wurde Teil der Erinnerung an diese Passage.
Sonnenaufgang vor Trinidad


Schließlich wich die Dunkelheit wie immer der Morgendämmerung.
Das erste Licht veränderte alles. Die langen Stunden der Nacht fühlten sich plötzlich leichter an, die Yacht wieder vertrauter und die See besser lesbar. Etwa zwei Stunden nach Sonnenaufgang erschien Trinidad langsam am Horizont.
Doch die letzten Meilen waren nicht die einfachsten.
Die Ansteuerung Trinidads kann anspruchsvoll sein. Der Wind beschleunigt rund um die Insel, die See wird unruhig und die Strömung macht sich deutlich bemerkbar. Beim Bergen der Segel war gutes Timing gefragt, während die Aurelia Blue in dem aufgewühlten Wasser kräftig rollte.
Unter Motor liefen wir anschließend in die berühmten Dragon’s Mouths ein, die schmale Einfahrt in den Golf von Paria.
Hier zeigte uns die Strömung noch einmal, wer das Sagen hatte. Obwohl der Motor bequem lief, machten wir gegen geschätzte zwei bis drei Knoten Gegenstrom kaum mehr als drei Knoten über Grund.
Langsam wurde das Wasser ruhiger, der Wind ließ nach und vor uns öffnete sich die weite Bucht von Trinidad.
Ankunft in Trinidad
Nach beinahe achtzehn Stunden auf See fiel der Anker schließlich in ruhigem Wasser. Die Passage war beendet – das Einklarieren begann jedoch erst.
Zuerst fuhren wir zu Peake, um die Unterlagen für die Anmeldung abzuholen. Danach hieß es warten. Eine Ankunft zur Mittagszeit ist ungünstig, weil bei Zoll und Immigration schnell unnötige Überstundengebühren anfallen. Deshalb setzten wir den Behördenmarathon erst nach 13 Uhr fort.
Vor Zoll und Immigration stand noch das Gesundheitsamt auf dem Programm: ein kurzer Fußweg, ein weiteres Formular und eine weitere Bescheinigung. Keine dramatische Untersuchung, keine tropische Filmszene und kein Arzt, der in den Hals schaut. Nur Papierkram.
Trinidad hat inzwischen das elektronische Voranmeldesystem SailClear eingeführt. Theoretisch klingt das nach Fortschritt. Praktisch ergänzt es derzeit einen QR-Code zu einem Verfahren, das weiterhin stark auf handschriftlichen Formularen, Durchschlägen, Unterschriften und persönlichen Besuchen in mehreren Büros beruht.
Handschriftliche Formulare. Durchschläge. Mehrere Unterschriften. Mehrere Behörden.
Vielleicht wird das digitale System eines Tages wirklich hilfreich. Im Moment wirkt es eher wie ein zusätzlicher Schritt in einem ohnehin komplizierten Verfahren. Aktuelle Informationen finden sich auch bei der Trinidad & Tobago Customs and Excise Division.
Als wir zur Aurelia Blue zurückkehrten, war es bereits vier Uhr nachmittags.
Eine wohlverdiente Pause
Nach einer Nachtpassage und einem ganzen Nachmittag voller Formalitäten gibt es nur eine vernünftige Entscheidung.
Schlafen.
Gegen zehn Uhr abends wurden wir wieder wach, aßen spät an Bord und ließen den Tag langsam ausklingen. Die Yacht lag ruhig, Trinidad war still um uns herum, und die Passage begann sich bereits von Anstrengung in Erinnerung zu verwandeln.
Ein Lächeln zum Schluss
Das Meer lieferte Mondlicht, Barrakudas und eine unvergessliche Nachtwache. Nur eine durchgeschlafene Nacht gehörte nicht zum Angebot.
⚓ Gedanken aus dem Cockpit
Eine Nachtpassage bleibt selten als Folge von Koordinaten in Erinnerung.
Was bleibt, sind das wechselnde Licht, das Wasser am Rumpf, die Konzentration während der Wache und der Augenblick, in dem eine entfernte Küste plötzlich wirklich wird.
Gute Seemannschaft bedeutet nicht, Härte zu beweisen. Sie bedeutet Vorbereitung, ehrliche Entscheidungen und genügend Reserve für das Unerwartete.
Barrakudas, Mondlicht und die Ankunft im Morgengrauen werden zur Geschichte. Die ruhige Arbeit im Hintergrund hat diese Geschichte erst möglich gemacht.
Die Karibik an Bord der Aurelia Blue entdecken
Echte Passagen, ruhige Ankerbuchten und nur wenige Gäste an Bord. Entdecken Sie Reisen, bei denen das Segeln selbst Teil des Erlebnisses ist – nicht nur der Weg zwischen den Inseln.



